Die Ursprünge des Golfspiels sind im Dunkel der Geschichte verborgen. Doch vielleicht
gerade deshalb läßt sich trefflich
darüber philosophieren, wo und wann zum ersten
Mal ein
kleiner weißer Ball mit einem Stock in ein Loch geschlagen wurde.
Denn seit jeher ist es eine menschliche Neigung, mit Bällen zu spielen, sie zu rollen
oder zu werfen. Da konnte es nicht
ausbleiben, dass irgendwann einmal jemand einen
Ball mit
einem Stock übers Gras schlug.
War der erste Golfer ein Schotte?
Bereits im Jahre 1457 tauchen die Namen „Goff“,
„Gowf“
oder „Golf“ in Schottland auf. Vielleicht war es jener Schäfer
an der Ostküste
Schottlands, der mißmutig Kieselsteine vor sich herstieß – und letztlich den Ball
ins Rollen brachte.
So jedenfalls vermutete der Leipziger Golfplatzarchitekt
Dr. Bernhard von Limburger
in einem seiner Essays.
Denn eines der unzähligen weißen Steinchen rollte weiter
als
all die anderen.
Wohlgerundet von der Kraft des Wassers kullerte es in das
nächste
Kaninchenloch:
Der erste Platzrekord war aufgestellt!
„Das muß ich nochmal probieren“,
sagte sich der wackere
Schäfer und kickte erneut das Steinchen in Richtung erstes
Loch.
Doch erst, als er nach vielen Versuchen seinen
Krückstock zu Hilfe nahm, war sein
zielstrebiges Bemühen
von erneutem Erfolg gekrönt.
Eine wesentliche Eigenschaft erfolgreicher Golfer hat unser
Schäfer bereits von Anfang
an verinnerlicht: Ruhe und
Konzentration aufs Spiel. So merkte er nicht, dass seine
beiden
Kameraden ihn in seinem seltsamen Treiben
beobachteten. Schließlich versuchten auch
sie sich am
Einlochen der Kieselsteine. Das erste Match war begonnen!
Um ein Lämmlein und eine Flasche Rum spielten bald
darauf der Schäfer und der Krämer.
Am Loch wartete der
Dritte im Bunde – der Tischler, der die Richtung angab.
Auch ein
Ergebnis liefert unser Essayist:
Der Schäfer gewann den Rum.
Ob es sich tatsächlich so begeben hat?
Sicher jedenfalls scheint, daß in Schottland
die Wiege des
Golfsports steht und eben nicht in Holland, was jedoch auch
eine gängige
Hypothese ist. Möglicherweise haben sich in
Holland und Schottland gleichzeitig zwei
ähnliche Spiele
mit unterschiedlichen Namen entwickelt. Doch vieles ist
eben typisch
schottisch beim Golf, dies belegen auch
verschiedene Quellen in Literatur und Malerei.
Golf, diese faszinierende Sportart – in Konzeption und
Grundidee, ist sie eine Verbindung
jener Elemente, die
dem schottischen Charakter jene so typische Verbindung
aus Kraft
und Individualität geben:
das Spiel des geduldigen und sich selbst vertrauenden
Menschen,
der nicht gewohnt ist, ständig mit seinem
Schicksal zu hadern.